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Im Sommer 1927 entstand unmittelbar neben dem bereits fertiggestellten Stahlhaus in der Alten Leipziger Straße, heute Grenzstraße, das
Wohnhaus von Carl Fieger. Fieger
arbeitete im Baubüro Gropius und war als Entwurfszeichner an verschiedenen Bauhausbauten beteiligt. Neben seinem eigenen Wohnhaus zählt das einige Jahre später an der Elbe bei Dessau errichtete Kornhaus
zu seinen wichtigsten Bauten.
Das Baugrundstück wurde ursprünglich als Kiesgrube für den 1. Bauabschnitt der Siedlung Törten genutzt. Fiegers Entwurf sah ein
zweigeschossiges freistehendes Haus auf quadratischem Grundriss mit einer Wohnfläche von 74 Quadratmetern vor. Das Raumprogramm orientierte sich dabei weitgehend an den Gropius’schen Siedlungshäusern. Im
Erdgeschoss befanden sich das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, die Küche und das Bad. Über einen halbkreisförmigen Treppenaufgang waren das Obergeschoss mit Arbeits- und Kinderzimmer sowie ein Abstellraum
erreichbar. Fast die Hälfte der oberen Etage wurde von einer großen Dachterrasse eingenommen, die mit ihrem Sichtschutz an die Dachterrassen der Meisterhaussiedlung erinnert.
Das Haus wurde aus großformatigen Holsteinen errichtet und besaß damals gebräuchliche Stein-Eisen-Decken. Das Haus war den Überlieferungen
nach zitronengelb gestrichen und Fenster und Türen waren kobaltblau abgesetzt.
Die Ausstattung, vor allem die Einbauschränke zwischen Wohn- und Schlafzimmer und die Durchreiche zwischen Küche und Wohnzimmer wurden nach
Fiegers Vorgaben in den Bauhauswerkstätten gefertigt. Auch entsprechende Sitzmöbel entstanden dort. Fieger verwendete in seinem Haus die gleichen in Sonderanfertigung hergestellten Gropius-Türbeschläge
wie im Bauhausgebäude und in der Meisterhaussiedlung.
Fieger folgte Gropius 1928 nach Berlin und arbeitete auch später, nach 1945 in Berlin. Trotzdem blieb das Haus bis zu seinem Tode 1960 im
Besitz der Familie. Seite Frau verkaufte es dann kurze Zeit später. Der neue Eigentümer erweiterte das Gebäude in östlicher Richtung um eine Tiefgarage mit darüber liegendem Zimmer. Das Haus ist
abgesehen von diesem Anbau noch weitgehend im originalen Zustand. In den 1990er Jahren wurde es saniert und befindet sich bis heute in Privatbesitz.
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