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Die Laubenganghäuser in der Siedlung Törten (Hannes Meyer)

Während der Ära Hannes Meyer (Bauhausdirektor von 1928 bis 1930) erhielt die Bauabteilung des Bauhauses von der Stadt Dessau den Auftrag zur Erweiterung der Siedlung Törten. Die Planungen sahen eine Mischbebauung mit Einfamilien- und mehrgeschossigen Wohnhäusern südlich der von Gropius errichteten Siedlung vor. Im Vorfeld sollten vier Versuchshäuser zur Erprobung verschiedener Haustypen und Bauweisen in der Großen Kienheide entstehen.

Im Rahmen dieser Planungen entstanden 1929/30 fünf Laubenganghäuser, drei in der Peterholzstraße und zwei in der Mittelbreite, realisiert durch Hannes Meyer und die Bauabteilung. Bauherr war die Dessauer Spar- und Baugenossenschaft.

Die wegen ihrer langen Wohnungszugänge als Laubenganghäuser bezeichnetet dreigeschossigen Bauten wurden in traditioneller Ziegelbauweise errichtet und erhielten Steineisendecken. Nur die Laubengänge waren aus Stahlbeton.

Jedes Wohnhaus hatte 18 über die Laubengänge zugängliche Wohnungen. Diese hatten auf 47 Quadratmetern Wohnfläche einen Wohn- und zwei Schlafräume, eine Küche, ein Bad und einen kleinen Flur. Für die im Bad eingebaute Sitzbadewanne gab es eine Warmwasserversorgung und alle Wohnungen waren mit Zentralheizung ausgestattet. Der Grundriss war für den Tagesablauf einer vierköpfigen Familie optimiert, zahlreiche sinnvolle Einbauten und Details unterstützten diesen vor allem in der Küche. Als zentrale Einrichtung war hinter den Wohnhäusern jeweils ein Waschhaus vorhanden. Die Mieter besaßen einen kleinen Hausgarten von 30 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befanden sich unterhalb des Laubengangs für jede Wohnung Fahrradboxen, die von außen zugänglich waren.

Obwohl die Wohnungen über einen hohen Standard verfügten, betrug die Miete nur 37,50 Mark und war damit auch für Arbeiter erschwinglich. Dies entsprach der Programmatik Hannes Meyers, der bei den Laubenganghäusern sein Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ konsequent umgesetzte.

In den späten 1930er Jahren sind die Treppenhäuser wegen des ständigen „Durchzugs“ zu den Laubengängen hin mit Pendeltüren versehen worden und die zweite Hauseingangstür auf der Ostseite des Treppenhauses wurde zugemauert. Zusätzlich erhielten die Wohnungen aus Gründen eindringender Kälte eine doppelte Wohnungseingangstür. Vermutlich sind während des zweiten Weltkrieges die durchgehenden Fensterflächen in den Treppenhäusern zerstört und anschließend zugemauert worden. Bei der Sanierung der fünf Wohnhäuser in den 1990er Jahren ist am Haus Peterholzstraße 40 der ursprüngliche Zustand des Treppenaufgangs wieder hergestellt worden.

Die von den Siedlungsbewohnern wegen der rötlichen Klinkersteine als „rote Blocks“ bezeichneten Häuser waren bei den Mietern ausgesprochen beliebt. Die Laubengänge entwickelten sich sehr schnell zu „Ersatzbalkonen“ und zum Mittelpunkt der nachbarschaftlichen Kommunikation.

Ab 1930 entstanden in Anlehnung an die vom Bauhaus geplante Siedlungserweiterung quer zur Heidestraße sieben weitere Wohnhäuser von Richard Paulick, der schon 1926 mit Georg Muche das Stahlhaus in der Siedlung Törten errichtet hatte. Die wegen ihrer Putzfarbe als „graue Blöcke“ bezeichneten Häuser hatten einen ähnlich hohen Standard, wie die Laubenganghäuser und waren ebenso beliebt. Wegen der 1934 aufgesetzten Satteldächer ist ihre geistige Verwandtschaft zum Bauhaus heute allerdings kaum noch erkennbar.

Im denkmalgerecht sanierten Laubenganghaus in der Peterholzstraße 40 ist eine auch farblich restaurierte Musterwohnung im Rahmen von Führungen durch die Stiftung Bauhaus Dessau regelmäßig zu besichtigen.

historische Ansicht

Nordostansicht

Südansicht

Treppenhaus

Treppenaufgang

Südostseite

Nordostansicht

Treppenhaus