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Die Meisterhaus-Siedlung (Walter Gropius)

Im Frühjahr 1925 erhielt Walter Gropius von der Stadt Dessau den Auftrag zur Errichtung einer kleinen Siedlung für die Bauhausmeister. Auf einem mit Kiefern bestandenen städtischen Gelände, nur einige Gehminuten vom Bauhaus entfernt, entstanden ab September 1925 drei Doppelhäuser und ein Einzelhaus.

Das Einzelhaus für den Bauhausdirektor Walter Gropius stand am Anfang der Siedlung, die drei Doppelhäuser für Laszlo Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche und Oskar Schlemmer sowie Wassily Kandinsky und Paul Klee folgten im Abstand von jeweils 20 Metern. Die Doppelhäuser besaßen ein nach Norden gerichtetes großes Atelier, Wohn- und Esszimmer, mehrere Schlaf- und Gästezimmer sowie Kammer, Küche, Bad und Gäste-WC.

Im Souterrain des Direktorenhauses befand sich eine Wohnung für den Hausmeister der kleinen Siedlung.

Die Häuser wurden aus so genannten JURKO-Steinen, einer Platte aus Schlacke, Sand und Zement, errichtet. Torfoleum diente als Dämmstoff. Verwendet wurden Steineisendecken, die teilweise als Balkone auskragten. Die zweigeschossigen Häuser hatten ein Flachdach, dass mit gelöteten Asphaltplatten abgedeckt war. Markant waren die großen, beide Doppelhäuser quasi verbindenden Atelierfenster aus Eisenprofilen.

Zahlreiche funktionelle Details und große Teile der Ausstattung wurden von den Bauhauswerkstätten entworfen und angefertigt. Die Ausmalungen der einzelnen Räume erfolgte durch die Werkstatt für Wandmalerei. Von besonderer Farbigkeit waren die Innenräume im Feininger-, Kandinsky- und Klee-Haus.

Im August 1926 bezogen die Bauhausmeister die auch nach heutigen Ansprüchen noch “herrschaftlich” wirkenden Atelierhäuser. Einige blieben bis 1932 darin wohnen (Kandinsky), andere verließen schon nach wenigen Monaten das Bauhaus wieder und zogen aus (Muche). Die heutige Bezeichnung der Häuser orientiert sich an den ersten Bewohnern!

Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau zum 30.09.1932 wurden die Häuser von der Stadt anderweitig vermietet und später wohl auch verkauft. Nach 1933 erfolgte ein Umbau der Atelierräume, bei dem vor allem die großen eisernen Atelierfenster entfernt und durch kleinere Holzfenster ersetzt wurden. Im II. Weltkrieg ist das Direktorenhaus und die angrenzende Doppelhaushälfte bei einem Luftangriff zerstört worden.

Auf dem Kellergeschoss des Gropius-Hauses entstand nach dem Krieg ein Einfamilienhaus mit Satteldach. Das Feininger-Haus, die verbliebene Hälfte des ersten Doppelhauses, wurde bis zum Ende der DDR als Poliklinik genutzt, während die beiden anderen, vor allem durch Schornsteinanbauten und einen Kratzputz schwer entstellten, Doppelhäuser mehreren Familien als Wohnung dienten.

Anfang der 1990er Jahre begann die Sanierung der Meisterhaus-Siedlung. Zuerst wurde das nach der Wende leer stehende Feininger-Haus aufwendig restauriert. Es konnte 1994 fertiggestellt werden und ist seitdem Sitz der Kurt Weill-Gesellschaft. Mit großzügiger Unterstützung der HOCHTIEF AG konnte in den Jahren 1999/2000 das Doppelhaus Kandinsky/Klee in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt werden und 2000/2001 folgte mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung auch das Doppelhaus Muche/Schlemmer. Damit wurde ein einmaliges Ensemble der Bauhausarchitektur, welches seit 1996 zum Unesco-Welterbe zählt, wieder hergestellt. Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für einen Wettbewerb, in dessen Rahmen schließlich bis 2010 das gesamte Ensemble wieder hergestellt werden soll.

Die Meisterhäuser werden heute für Ausstellungen, Vorträge u.ä. Veranstaltungen genutzt und können während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Isometrie

Garage Gropius

Haus Feininger

Haus Kandinsky/Klee

Haus Klee

Haus Kandinsky

Haus Kandinsky/Klee

Haus Kandinsky

Haus Muche/Schlemmer

Haus Feininger