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Die Siedlung Törten (Walter Gropius)

Im Sommer 1926 erhielt Walter Gropius von der Stadt Dessau den Auftrag zur Errichtung von 60 Reichsheimstätten. Als Baugrundstück stand eine Fläche in der Gemarkung Törten, heute zu Dessau-Süd gehörend, zur Verfügung.

Die Häuser entstanden in zweigeschossiger Reihenbauweise als Typ Sietö I in der Doppelreihe. Sie wurden aus Betonschlackesteinen errichtet und die tragenden Querwände waren mit so genannten Rapidbalkendecken überspannt. Auf rund 74 Quadratmetern hatte dieser Haustyp fünf Zimmer einschließlich Wohnküche und ein Trockenklo. Als Beispiel für den Typ Sietö I wurde das Haus Doppelreihe 35 denkmalgerecht saniert.

Die ersten Häuser am Straßenkopf der Doppelreihe waren um eine Haustiefe zurückgesetzt, wodurch eine platzähnliche Situation entstand. Tatsächlich wurden im 1. Bauabschnitt statt der vorgegebenen 60 nur 58 Reihenhäuser errichtet. Das Fehlen der beiden Häuser ist heute am Anfang der Doppelreihe noch gut sichtbar. An ihrer Stelle entstanden das Stahlhaus und das Fieger-Haus.

Im Frühjahr 1927 erhielt Walter Gropius einen zweiten Auftrag zur Errichtung weiterer 100 Reihenhäuser. Sie entstanden in leicht modifizierter Form als Typ Sietö I.2 in Fortsetzung der Doppelreihe und als Typ Sietö II in der Damaschkestraße, „Am Dreieck“ und am Anfang der drei Ringe, im Klein-, Mittel- und Großring. Die Häuser waren gegenüber denen des 1. bauabschnitts mit rund 70 Quadratmetern etwas kleiner, besaßen aber ebenfalls fünf Zimmer. Auch konstruktiv glichen sie weitgehend dem ersten Typ. Nahezu im Originalzustand hat sich bis heute das Haus Kleinring 5 als Vertreter des Typs Sietö II erhalten. Auch das Nachbarhaus Kleinring 3 verfügt noch über entsprechende bauzeitliche Details.

Schließlich erhielt Walter Gropius im Frühjahr 1928 von der Stadt Dessau einen weiteren Auftrag über 156 Häuser. Innerhalb dieses 3. Bauabschnitts entstanden im Kleinring und „In der Flanke“ weitere Häuser des Typs Sietö II, während im Mittelring und im Nordweg der Haustyp Sietö IV in einer eineinhalbgeschossigen Bauweise entstand.

Diese Häuser besaßen nur vier Wohnräume und waren mit 57 Quadratmetern deutlich kleiner. Die Stadt Dessau erwarb 1993 ein Haus dieses Typs im Mittelring 38 und sanierte es denkmalgerecht. Es ist heute Sitz der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft e .V. und kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Inzwischen sind einzelne Häuser auch von Privatleuten wieder in den Originalzustand versetzt worden, so z.B. das Haus Mittelring 90 oder das Haus Kleinring 42 als ein Beispiel des Haustyps Sietö II von 1928.

Zu jedem Haus gehörte ein 350 bis 400 Quadratmeter großes Grundstück, das eine Selbstversorgung mit Obst und Gemüse gewährleistet sollte. Der Kaufspreis lag inkl. des Grundstücks zwischen 9.500 und 10.500 Mark und war über Hypotheken finanzierbar.

Wegen einiger Baumängel stand die Siedlung schnell in der Kritik. Dabei wurde meist nicht berücksichtigt, dass es sich um eine Versuchssiedlung handelte. Bereits in den 1930er begannen erste Umbauten in der Siedlung. Die Stahlrahmen-Fenster wurden z.T. durch Holzfenster ersetzt. Während des II. Weltkrieges wurden etwa 10 Prozent der Häuser zerstört bzw. stark beschädigt. Was an Bauzeitlichem Krieg und DDR-Mangelwirtschaft überstand, viel nach der Wende den Baumarktangeboten zum Opfer. Erst Mitte der 1990er Jahre setzte die Stadt mit einer Gestaltungssatzung dieser Entwicklung ein Ende.

Siedlungsplan

Doppelreihe 35

Damaschkestraße

Kleinring

Kleinring 5

Kleinring 42

Mittelring 38

Mittelring 90

Am Dreieck